Kategorie » Theater/Tanz

Die Mitwisser

Österreichische Erstaufführung
Eine Idiotie von Philipp Löhle
Eine der rasantesten Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte ist die Digitalisierung vieler Lebensbereiche. Mit neuen Ästhetiken, Videotechnik, VR-Brillen oder auch dokumentarischem Material versucht das Theater, dieses uralte, zutiefst analoge Medium, das nach wie vor darauf baut, dass sich Menschen live begegnen, diese Prozesse sichtbar zu machen.

Ganz anders der Autor Philipp Löhle. In seinem charmanten Versuch, die Folgen der Digitalisierung zu zeigen, personalisiert er das Internet, das bei ihm Herr Kwant heißt: ein freundlicher Herr, hilfsbereit und zuverlässig. Herr Kwant kommt ins Haus, wenn man einen ellenlangen Vertrag unterzeichnet hat. Das Kleingedruckte hat man natürlich nicht gelesen, aber Herr Kwant ist gratis und wirklich praktisch! Wenn man zum Beispiel etwas wissen will, zieht er immer das richtige Dokument aus seiner Aktentasche, beim Autofahren weist er vom Beifahrersitz aus den Weg und nachts sitzt er diskret im Schlafzimmer in der Ecke und überwacht die Vitalfunktionen. Auch als persönlicher Assistent bei der Arbeit macht er sich nützlich: Bald wird man befördert, weil man mit seiner Hilfe doppelt so viel schafft.

Bis man entlassen wird, weil Herr Kwant einfach effizienter ist. Und als Geschäftsmann und Liebhaber hat er irgendwie auch mehr drauf, sodass die Frau lieber mit Kwant ins Bett geht als mit einem selbst. Mehr und mehr fangt Kwant an zu nerven: Er mischt sich ein, weiß alles besser und verführt zur Anschaffung von Dingen, die man überhaupt nicht braucht. Und das ist erst der Anfang. Denn längst hat sich das System Kwant flachendeckend ausgebreitet und still und leise eine Diktatur im Rücken der Menschen errichtet.

Gewitzt und mit vorgeblicher Naivität zeigt Löhle in dieser zutiefst analogen Retro-„Idiotie“, wie Gewöhnung zu gefährlicher Abhängigkeit führt, wenn das Besondere durch ständige Verfügbarkeit erst einmal normal geworden ist. Eine alte Wahrheit, die mehr und mehr Menschen empfinden, wenn sie auf ihr Smartphone blicken …

Inszenieren wird Felicitas Braun, die am Max Reinhardt Seminar Regie studierte. In der letzten Zeit hat sie erfolgreiche Arbeiten im Vestibül des Wiener Burgtheaters sowie an den Staatstheatern Wiesbaden und Oldenburg sowie in Osnabrück auf die Bühne gebracht.

REGIE Felicitas Braun
BÜHNE Timo Kriegstein
KOSTÜME Aleksandra Kica
VIDEO Moritz Grewenig
DRAMATURGIE Jennifer Weiss

MIT
Henriette Blumenau
Mikhail Gusev
Fredrik Jan Hofmann
Sarah Sophia Meyer
Clemens Maria Riegler
Leontine Vaterodt
Hanh Mai Thi Tran
Termine
Premiere 15. Februar 2019, 20:00 Uhr
25. Februar 2019, 20:00 Uhr
1., 12., 13. März 2019, 20:00 Uhr
1., 23., 27. April 2019, 20:00 Uhr
13. Mai 2019, 20:00 Uhr
Weitere Informationen
(c) Foto: Lupi Spuma
Veranstaltungsort/Treffpunkt