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Petra Schweifer - Die Realität ist unmerklich anders

“Ich arbeite langsam und stetig.” sagt die Künstlerin Petra Schweifer von ihrem Arbeitsprozess und legt bereits eine Fährte um sich ihrem Werk nähern zu können.
Diese Annäherung sollte so freundschaftlich erfolgen wie der Findungsprozess der Künstlerin selbst. Sie bezieht Inspiration aus Literatur, persönlichen Gesprächen und Stimmungen gleichermaßen.

Erinnerungsbilder aus dem alltäglichen Erleben, zuvor lange eingeprägt, oder schlicht bedachte Sätze lassen sich zunächst auf Papier nieder. Es gibt keine strenge Formel, wie hier Eines zum Nächsten gelangt, so zärtlich vollzieht sich ein Stoffwechsel von klingenden Sätzen, Motiven, Leinwand und Papier. Die Entstehungsgeschichte der gezeigten Arbeiten ist eng mit zugeflogenen Phrasen und Begegnungen verknüpft, und wohl dadurch so organisch wie sich ein Löwenzahn Samen naturgemäß herumtreibt. Im Sommer, im Herbst, ganz gleich ... Schweifers Formfindung wirkt so selbstverständlich wie das Aufatmen, das Aufwachen am Morgen, das Flackern einer Kerze selbst. Wissen wir denn genau, wie wir im Flanieren einen Fuß vor den anderen setzen? So leichtfüßig der Prozess, so groß ist im Anschluß eine archetypische Spannung in den Bildern. Denn Ergebnis dieser Metamorphosen im Unterbewussten, wo das Alltägliche in universelle Formen gegossen wird, sind ewige, mythologische Themen: Wachstum, Ordnung, Kampf, Versöhnung, Berührung. Die abstrakten Darstellungen bedürfen einen weiteren Lebensraum in der Innenwelt der BetrachterInnen, um auch dort ihr Eigenleben voll entfalten zu können. Interessant auch wie die Künstlerin ihre Werke organisiert: Auf drei Stangen von der Decke hängen großformatige Arbeiten, wie Laken zum Trockenen aufgehängt, Bild an Bild. Das Papier wird zuvor auf Stoff angebracht, denn auch die beiden Materialien wollen Luft zum Atmen, sich bewegen, und sind daher in der Lage aufeinander zu reagieren, eine Beziehung einzugehen. Wo ein Bedürfnis sich aufzubäumen von der Toleranz des Stoffes aufgefangen wird. Die in der Galerie Zimmermann Kratochwill gezeigte Serie, organisiert sich nun in Vorbilder jener großformatigen Arbeiten. In gewissem Sinn potenziell und umfassend gesprächsbereit. Sie entwickeln in der Auswahl ein Eigenleben, werden zu Wesenheiten mit ganz eigenen Geschichten und Bedürfnissen. Reagieren aufeinander und finden einen Platz, wie ein geflügeltes Wort zuvor von einem Satz aufgenommen wurde.

Ihre Geschichte ist schwereloser und kampflustiger Natur zugleich, so selbstverständlich und gleichzeitig beharrlich wie ein Wechsel der Gezeiten. Eine tonnenschwere Feder. Ein Taifun im Flügelschlag des Schmetterlings."

Text: Peter Moosgaard
Termine
Eröffnung 19. Oktober 2019, 11:00 Uhr
22. - 31. Oktober 2019, Di - Fr 14:00 - 18:00 Uhr, Sa 10:00 - 13:00 Uhr
1. - 16. November 2019, Di - Fr 14:00 - 18:00 Uhr, Sa 10:00 - 13:00 Uhr
Veranstaltungsort/Treffpunkt