Kategorie » Theater/Tanz

Kinder der Sonne .- The Sun is a death Star

Von Pedro Martins Beja nach Maxim Gorki
Dimitri, Boris und Pawel haben zusammen studiert und sind Freunde geblieben. Der eine wurde Künstler, der zweite Veterinär, der dritte Chemiker. Der Maler Dimitri liebt Jelena, die Frau des Chemikers Pawel und sie wahrscheinlich ihn. Sie sitzt ihm zwar stundenlang Modell, kann sich jedoch von ihrem Mann nicht lösen. Der Tierarzt Boris liebt Pawels Schwester Lisa, die Epileptikerin ist und düstere politische Visionen hat. Zu gerne würde er einmal einem Menschen anstatt eines Tieres helfen, doch Lisa will sich weder von ihm helfen noch von ihm lieben lassen. Boris’ Schwester Melanija wiederum liebt den Chemiker Pawel. Und dieser? Liebt vor allem die Hefestämme in seinen Petrischalen. Pawels Ehrgeiz ist nämlich die Erforschung der Grundlagen des Lebens. In der geordneten Welt unter dem Mikroskop findet er Schönheit, Harmonie, Logik – ein wohltuender Kontrast zu den verwirrenden Emotionen in seinem Haushalt. Mit Blick auf die Segnungen der Chemie glaubt Pawel fest an eine strahlende Zukunft der Menschheit und daran, dass seine Generation als „Kinder der Sonne“ in die Geschichte eingehen wird. Im Gegensatz zu seinen Freunden, die pessimistisch bis fatalistisch auf das Leben blicken. Anders als der weltvergessene Forscher leben sie jedoch nicht jenseits von Zeit und Raum im Labor, sondern in einer konkreten Gegenwart. Und diese ist beherrscht von Unruhen, die sich zur Revolte steigern, als eine Choleraepidemie ausbricht, Verdächtigungen die Runde machen und die soziale Ungleichheit offensichtlich wird.

Maxim Gorki fing 1905 das Lebensgefühl einer satten bürgerlichen Schicht ein, die unter ihren persönlichen Problemen dumpf eine sich ankündigende gesellschaftliche Veränderung spürt, aber nicht weiß, in welche Richtung diese zielt. Und während sie sich bemüht, eine bessere Welt zu erdenken, verpasst sie das, was wirklich in der Gesellschaft vor sich geht. Wie in anderen Stücken der russischen Klassik reden die Figuren auch hier ununterbrochen – und meistens aneinander vorbei. Diese permanente, aber oft so dysfunktionale Kommunikation wäre komisch, wenn die Umstände, in denen sie stattfindet, nicht so tragisch wären. Ein Gefühl, das besonders die jüngere Generation, zu der auch die Studierenden des Studiengangs Schauspiel an der Kunstuniversität Graz gehören und mit denen dieser Theaterabend entsteht, nachvollziehen kann.

REGIE Pedro Martins Beja
BÜHNE und KOSTÜME Elisabeth Weiss
DRAMATURGIE Karla Mäder
Schauspielstudierende des 3. Jahrgangs
Mit Berenice Heichel, Frieder Langenberger, Mario Lopatta, Lukas Schöttler, Hanh Mai Thi Tran, Leontine Vaterodt, Kevin Wilke
Termine
Premiere 5. Oktober 2017, 20:00 Uhr
7., 18., 21. Oktober 2017, 20:00 Uhr
13., 16. November 2017, 20:00 Uhr
5., 16. Dezember 2017, 20:00 Uhr
Weitere Informationen
Institut 9 – Schauspiel in Koproduktion mit dem Schauspielhaus Graz
(c) Foto: Lupi Spuma
Veranstaltungsort/Treffpunkt